der weberknecht
Das Buch »Der Weberknecht – Das Buch zum Webrechen« von Martin Sandler, erschienen im Verlag an der Säge (1. Auflage, Oktober 1984), ist eine praxisnahe und gut strukturierte Einführung in die Technik des Stabwebens. Schon die äußere Aufmachung – außen Schachtel, innen Buch – zeigt den besonderen Charakter dieser Ausgabe. Eine Ringbindung im stabilen Pappkarton sorgt für Alltagstauglichkeit, ergänzt wird das Ganze durch eine Broschüre und ein Bestellheft.
Zu Beginn gibt das Buch einen kurzen geschichtlichen Überblick. Unter dem Titel »Vom Flechten zum Weben« wird dargestellt, wie sich das Weben aus der Flechtkunst entwickelte: Von einfachen Schutzzäunen und Hütten über die Korbflechterei bis hin zu den ersten Textilien aus Leder- und Fellstreifen.
Im Hauptteil stellt der Autor Sandler den Webrechen vor, erklärt das Zubehör und liefert eine gut nachvollziehbare Anleitung zum Selbstbau. Darauf folgen konkrete Arbeitsschritte, die den Einstieg in das Stabweben erleichtern: von einfachen Übungsstücken über Schachbrettmuster und Bildweben bis hin zu komplexeren Projekten wie Teppiche, Taschen und ganze Kleidungsstücke. Für Kinder gibt es eine extra »Kinderwebanleitung« zum altersgerechten Einstieg in die Technik.
Begleitende Arbeitsblätter erlauben das Festhalten von eigenen Maßen und Materialien. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit einen Webführerschein abzulegen. Die zur Verfügung stehenden Prüfungsbögen und Führerscheine machen das Buch besonders für den Einsatz in Schulen interessant.
Nachhaltigkeit vor 40 Jahren
Bereits in den 1980er Jahren legte dieses Buch Wert auf Nachhaltigkeit. Es arbeitet mit Naturtextilien, fördert die Verwendung regionaler Rohstoffe und gibt zudem Recyclingtipps für den Webrechen, wenn dieser nicht mehr zum Weben gebraucht wird. Zum Teil augenzwinkernd, wird die Weiterverwendung als Heurechen, Brennholz oder sogar als Faschingsschmuck empfohlen.
Auch das beigefügte Bestellheft spiegelt diesen Ansatz wider: Dort werden nicht nur Webrechen und Zubehör angeboten, sondern auch Spinnräder, Naturtextilien, Kinderkleidung und Holzspielzeug – eine Produktpalette, die ressourcenschonendes Handarbeiten und nachhaltigen Konsum fördert.
Der Autor schreibt klar und leicht verständlich. Durch humorvolle Einwürfe lockert er die technischen Abschnitte auf. Handgezeichnete Skizzen veranschaulichen dabei die beschriebenen Arbeitsschritte und machen das Nacharbeiten auch ohne Vorkenntnisse möglich.
Uns gefällt »Der Weberknecht«, weil es ein praktisches Handbuch ist, dass sowohl Anfänger*innen als auch Fortgeschrittene anspricht und durch konkrete Anleitungen auch leichte Zugänge schafft. Fast noch wichtiger als die Anleitungen selbst: Das Buch führt uns mal wieder vor Augen, dass Nachhaltigkeit und naturverbundenes Handarbeiten auch vor 40 Jahren schon zentrale Themen waren und bis heute nichts an Aktualität verloren haben.
Hinzu kommt der Charme des seltenen Exemplars, da es nur in kleiner Auflage erschien. Auch das Titelbild der schmalen Broschüre begeistert uns, versehen mit dem augenzwinkernden Untertitel »Einer spinnt immer« – Realität oder Wunschdenken?
andrea und liva hamburg, 26. september 2025












